11. April 2018

aus dem geheimen Kodex der Kobolde


verschwende deine Gaben im richtigen Augenblick ! 

(3. erdige Weisheit des Koboldkodex)

1. April 2018

Erinnerung



NEUNZEHNHUNDERTVIERUNDACHTZIG

Ein Leben lang kann ich nicht warten
das sah ich endlich schmerzlich ein
ich packe meine Siebensachen
und lebe erst einmal allein

Ich packe ein,
die Hoffnung und die Sehnsucht,
falte sie sorgsam, ordentlich
Ich weiß, ich werde sie noch brauchen
zurzeit sind sie fast hinderlich
Ein Stückchen Hoffnung
steck ich in die Tasche,
damit es schon mal greifbar ist
an dem Beginn des neuen Lebens
genügt es für die erste Frist

Das Bündel der verlorenen Jahre
füllt fast den ganzen Koffer aus.
Ballast“, ich sollt ihn liegen lassen
und doch trag ich ihn mit hinaus

Die Tränen fließen so dazwischen,
in Ecken ist noch Platz genug,
ich nehm sie mit, sie sind die Mahner
vor jedem neuen Selbstbetrug

Die Träume, sie sind sehr zerknittert,
brauchen viel Pflege, doch nicht jetzt
Erst später werde ich sie sichten
heut bin ich noch zu sehr verletzt.

Den Glauben meiner fernen Kindheit
verlor ich, doch das macht mich frei,
für neues Wissen und Erkennen,
ich fühl mich froh und leicht dabei.

Er ist randvoll mein kleiner Koffer,
die Liebe passt nicht mehr hinein.
Ich zieh sie an, sie wird mich wärmen,
mein Schutz vor Menschenkälte sein.
Ein letzter Blick noch in die Runde,
und weiß der Abschied ist für immer,
und wenn ich jetzt endgültig geh,
bleibt nur zurück ein leeres Zimmer.


Dezember 1992
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8. September 2017

für meine Tochter

...sieh an, da hat doch eine Freundin mein Gedicht auf Facebook gepostet...


Geh einfach

Ob du durchs Licht von Sonnen gehst
oder durch die Schatten fliehst.
Ob der Stab gebrochen wird
oder dein Schicksal: Nova ist;
nichts kann dich hemmen oder binden.
Selbst hinter Mauern bist du frei.
Lös meine Hand, wenn ich dich halte,
es ist kein Risiko dabei.

Greif einfach mutig in die Flamme,
verwebe Dunkelheit und Licht
und achte nicht auf Neid und Warnung:
Im eignen Stern verbrennst du nicht.


Stephanie Ursula Gogolin

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18. Mai 2017

Geschichten aus dem Treppenhaus V

Schlittenfahren

Was für eine Aufregung! Zwei Tage vor Weihnachten hat es tatsächlich geschneit. Seit einer halben Stunde laufen die Kinder, Mama und Oma im Flur auf und ab und packen und suchen und Oma sagt immerzu: „Hoffentlich vergessen wir nichts!“ Sie wollen alle zum Rodeln fahren. Die dicksten Jacken und Mützen wurden hervorgeholt, Ersatzhandschuhe bereit gelegt, Extrasocken und für jeden einen bunten Schal, ach ja und die warme Stiefel natürlich.
Schäfchen und Ulli sitzen auf der Treppe und sehen zu. „Freust du dich auch so?“ flüstert Ulli.
Mama verschwindet im Keller und kommt mit dem großen Holzschlitten zurück. Jetzt ist Schäfchen genauso aufgeregt wie die Kinder. Schlittenfahren! Toll, gestern Abend hat die Oma noch bei der Gute - Nacht - Geschichte davon vorgelesen.
Schäfchen weiß nicht was Schnee ist, denn Schäfchen ist erst seit Ostern bei Johanna und da ist ja bekanntlich Frühling. Aber Schäfchen kann sich noch gut erinnern, dass Mama damals als sie es zum ersten Mal sah, sagte: „Ein Fell so weiß wie Schnee!“ Das würde heute ein tolles Erlebnis werden. Erwartungsvoll sitzt Schäfchen auf der Treppe und zum Glück hat es seinen eigenen kleinen bunten Schal dabei. Gleich geht es los. Ulli sitzt wie immer geduldig daneben.
Paula hängt an der Türklinke und fährt mit der großen Haustür hin und her, was sie nicht soll. Mama packt den Schlitten ins Auto und Oma füllt noch schnell ein paar Weihnachtsplätzchen in eine Tüte. Johanna hat zwei Paar Socken übereinander gezogen. Nun passen die Stiefel nicht mehr. Also muss sie sie wieder ausziehen. Eigentlich sollten die Ersatzsocken in die Tasche zu den Trinkflaschen und den Weihnachtsplätzchen. Mama wird ungeduldig und treibt Johanna an. Oma sammelt die herunter gefallenen Handschuhe auf und scheucht die Kinder zur Tür hinaus und schwupp sind alle draußen.
Schäfchen und Ulli bleiben verdattert im Dunkeln auf der Treppen sitzen. Was für ein Unglück, die Kinder haben sie vergessen! Kein Schnee, kein Schlitten fahren, keine Weihnachtsplätzchenkrümel im Auto. Schäfchen lässt die Ohren hängen und Ulli blickt traurig mit seinen Knopfaugen in den leeren stillen Flur.

Kindergeschichte aus der Reihe: Geschichten aus dem Treppenhaus
© Stephanie Ursula Gogolin, Bonn 2003
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Geschichten aus dem Treppenhaus VI



Weihnachten im Treppenhaus

Nun sitzen Ulli und Schäfchen allein im Dunkel.
Im Treppenhaus duftet es nach Weihnachtsbäckerei, Räucherkerzchen und Tannengrün. Mama hat nach dem Backen ganz oben das Dachfenster einen Spalt geöffnet. Es zieht ein bisschen auf der Treppe. Schäfchen sieht nach oben. Ob Stofftiere auch einen Schnupfen kriegen können, so wie Hanna neulich?
“Oh, was ist das?”, fragt Ulli.
Mit dem kühlen Hauch schwebt von oben ein weißes glitzerndes Etwas durch den langen Schacht des Treppenhauses.
“Weiß nicht”, meint Schäfchen, “ein Stern vielleicht?”
“Nein! Ich glaube, das ist eine Schneeflocke ... aber eine richtige große!” Ulli staunt.
Inzwischen war der strahlend weiße Stern fast unten angekommen. Und ein helles Stimmchen zwitschert: “Schneeflöckchen, Weißröckchen, jetzt kommst du gescheit...” - Ein winzig kleines, glitzerndes Wesen landet elegant auf der sechsten Treppenstufe und sein Strahlen beleuchtete die verblüfften Gesichter von Ulli und Schäfchen.
“Schönen Advent wünsche ich euch, heute schon gesungen?”
Das fröhliche Kristallkind klatscht in seine winzigen Hände: “Was ist denn hier für eine trübe Stimmung und es stuppst Ulli an, so das er fast von der Stufe fiel.
“Wo kommst du denn her?”, fragte Schäfchen, “hast du dich verflogen?”
“Vom Himmel hoch da komm ich her... “trällert es und sprang in die Girlande aus Tannengrün, die am Treppengeländer hängt, um in einer der roten Schleifen zu schaukeln.
“Bist du eine richtige Schneeflocke?”, wollte Ulli wissen.
“Nein, da würde ich ja schmelzen. Ich bin Zaubersternchen und möchte meine Freundin, die Hauselfe besuchen. Aber nun sagt doch mal, warum macht ihr so lange Gesichter?”
Die Beiden gucken immer noch traurig: ”Die Kinder haben uns vergessen”, sagten Schäfchen und Ulli im Chor: “...sie sind ohne uns zum Schlitten fahren und wir wären gern dabei gewesen.”
“Na seit doch froh, draußen ist es kalt und wenn man in den Schnee fällt, wird man auch noch nass.”
“Aber hier ist es langweilig”, sagt Ulli ein wenig trotzig.
“Ach keine Trauer an einem so schönen Vorweihnachtstag, kommt wir singen was: “Kling Glöckchen, klingelingeling....”
“Hallo, was ist denn hier los?” Spinni, die Hauselfe pflegt wie immer plötzlich zwischen den Stäben des Treppengeländer aufzutauchen. Ihr hellblaues Kittelchen warf heute grünliche Schatten und um den Hals lag kunstvoll verschlungen einen Lamettafaden. Auf dem Kopf trug sie einige von den kleine goldnen Glitzersternen, die Paula neulich beim Basteln unter den Tisch geworfen hatte. “Da bist du ja mein liebes Zaubersternchen, ist das Jahr schon um?” - “Ganz recht Spinni, in zwei Tagen beginnen die Weihnächte, wie schnell doch die Zeit vergeht!” Und sofort flötete sie ein “Oh du fröhliche...” hinterher.
Schäfchen und Ulli saßen mit großen Augen dabei und fanden die Unterhaltung recht kurzweilig.
“Schön, dann lasst uns ein bisschen feiern”, Spinni nahm ein paar von den Glitzersternchen aus ihren Haaren und schüttelte sie in ihrer Hand hin und her. Hauselfen können so alle möglichen Dinge vermehren, natürlich nur die, die in ihre Hand passten. Sie warf den Flitter in die Luft und ein wahrer Sternregen fiel auf alle herab. Schäfchen sah wunderschön aus in einem weißen Fell mit goldnen Sternchen und Ullis Latzhose war plötzlich überall mit glänzender Borte verziert. Zaubersternchen sprang von der Schleife, schwang einen klitzekleinen Zauberstab aus Kristall und hundert gleißende Lichtlein schwebten durchs Treppenhaus, es sah sehr festlich aus.
Spinni zog ein besonders schönes Lebkuchenherz aus der Kitteltasche. Den knabberte sie ganz alleine auf, denn bekanntlich essen Stofftiere nicht und Zaubersternchen ernährt sich nur vom sanften Mondlicht.
Die Hauselfe zog aus der dunklsten Ecke des Treppenabsatzes eine kleine Harfe hervor. Zaubersternchen verteilte winzige Notenblätter mit Weihnachtsliedern. Aber weder Schäfchen noch Ulli konnten lesen. Sie summten und brummten einfach mit. Das andere Spielzeug im Haus lauschte andächtig und alle wünschten sich, sie wären auch auf der Treppe. Wie schnell doch eine Stunde vergeht. Nach und nach erloschen die kleinen Lichter. Für Zaubersternchen wurde es Zeit sich zu verabschieden. Spinni machte so gut es ging den Glitzersternenzauber wieder rückgängig und wie immer gelang es ihr nicht so ganz. Ein paar Sternchen vergaß sie auf den untersten Stufen. Was für eine schöne Treppenhausweihnachtsfeier und erst der stimmungsvolle Gesang. Schäfchen und Ulli saßen zufrieden auf der kalten Treppe und ihnen war ganz warm ums Herz.
Es war draußen schon stockdunkel, als die Kinder in den Flur stürmten und ihr zurückgelassenen Lieblinge heftig umarmten. Oma schaltete das Licht an und fragte verwundert: “Wo kommen denn die Sternchen her?“

Kindergeschichte aus der Reihe: Geschichten aus dem Treppenhaus
© Stephanie Ursula Gogolin, Bonn 2003
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23. Mai 2015

...die Süße der Patriarchose

und hier eine kleine glossige Variation zum Thema 'Patriachatskritik':
… um es mal possierlich zu formulieren, das heutige Patriarchat kommt mir (jenseits der sozialen Brennpunkte und den Subkulturen von Kriminalität, Prostitution und religiösen Fanatismus) vor, wie ein in allen Farben schillernder Süßigkeitenladen.
Uns ist inzwischen natürlich allen klar, dass trotz seines lockenden Duftes und seiner bestechenden Buntheit, die süchtig machende Süße und die benebelnde Wirkung des geballten Zucker schädlich für Zähne und den gesamten Organismus ist. Aber wir greifen trotzdem zu und wähnen uns im Paradies.
Selbstverständlich wird an all der Zuckrigkeit auch immer wieder Kritik geübt. Schon wird in den Medien hier und da zugegeben, dass der Schaden in Zukunft noch größer sein könnte, als wir heute bereit sind zu erkennen und manche fordern sogar den Laden ganz zu schließen. Aber das wollen und können sich die meisten nicht vorstellen - wie soll man leben ohne diese Fülle an Süßem oder Säuerlichen und gab es nicht schon immer Zucker? Können wir nicht froh sein, dass die Menschheit endlich ungehemmt Süßes schlemmen kann?
Doch die Stimmen der Zuckerkritiker mehren sich. Es ist ein Auf und Ab. Und es sehen nur wenige als sinnvoll an den Shop wirklich dicht machen! Denn was ist die Alternative? Etwas Obst und Gemüse?
Vielleicht reicht es ja schon hier und da etwas zu verändern. Man könnte sich dazu durchringen ein paar Produkte abzubauen, zum Beispiel diese harten Drops oder die riesigen Lollis... sind die nicht besonders schlimm?
Aber bis auf ein paar Zuckerkranke, die doch eher die Ausnahme sind, genießt unsere Gesellschaft ihr süßes Dasein und das Gros denkt: was wir für ein Glück doch haben, dass unser Leben ein einziges Zuckerschlecken ist...

2. Februar 2015

Zitat

„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“
Astrid Lindgren