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1. April 2018

Erinnerung



NEUNZEHNHUNDERTVIERUNDACHTZIG

Ein Leben lang kann ich nicht warten,

das sah ich endlich schmerzlich ein;

ich packe meine Siebensachen

und lebe erst einmal allein.

Ich packe ein,

die Hoffnung und die Sehnsucht,

falte sie sorgsam, ordentlich.

Ich weiß, ich werde sie noch brauchen,

zurzeit sind sie fast hinderlich.

Ein Stückchen Hoffnung

steck ich in die Tasche,

damit es schon mal greifbar ist,

an dem Beginn des neuen Lebens

genügt es für die erste Frist.

Das Bündel der verlorenen Jahre

füllt fast den ganzen Koffer aus.

Ballast“, ich sollt ihn liegen lassen

und doch trag ich ihn mit hinaus.

Die Tränen fließen so dazwischen,

in Ecken ist noch Platz genug,

ich nehm sie mit, sie sind die Mahner

vor jedem neuen Selbstbetrug.

Die Träume, sie sind sehr zerknittert,

brauchen viel Pflege, doch nicht jetzt.

Erst später werde ich sie sichten.

Heut bin ich noch zu sehr verletzt.

Den Glauben meiner fernen Kindheit

verlor ich, doch das macht mich frei,

für neues Wissen und Erkennen,

ich fühl mich froh und leicht dabei.

Er ist randvoll, mein kleiner Koffer,

die Liebe passt nicht mehr hinein.

Ich zieh sie an, sie wird mich wärmen,

mein Schutz vor Menschenkälte sein.

Ein letzter Blick noch in die Runde,

ich weiß der Abschied ist für immer,

denn wenn ich jetzt endgültig gehe,

bleibt nur zurück ein leeres Zimmer.



Dezember 1992
.

8. September 2017

für meine Tochter

...sieh an, da hat doch eine Freundin mein Gedicht auf Facebook gepostet...


Geh einfach

Ob du durchs Licht von Sonnen gehst
oder durch die Schatten fliehst.
Ob der Stab gebrochen wird
oder dein Schicksal: Nova ist;
nichts kann dich hemmen oder binden.
Selbst hinter Mauern bist du frei.
Lös meine Hand, wenn ich dich halte,
es ist kein Risiko dabei.

Greif einfach mutig in die Flamme,
verwebe Dunkelheit und Licht
und achte nicht auf Neid und Warnung:
Im eignen Stern verbrennst du nicht.


Stephanie Ursula Gogolin

.

29. Oktober 2014

Der wandernde See - ein Märchen



Kaltes Feuer tropft golden durch sieben Siebe.
und rotes Wasser den Fels umschäumt.
Ein silberner Lufthauch bauscht grünhelle Schleier.
wo blau das Moos die Quelle umsäumt.

Inmitten der Zweigen hervor tritt die Muhme.
Das flirrende, blendende Sonnenlicht,
verbirgt ihrem Blick nicht die argen Schatten,
doch dunkles Drohen fürchtet sie nicht.

Sie dreht das Rad, es tanzt die Spindel.
Ein glänzendes Fädchen - gesponnenes Glück -
Der ewige Faden rinnt aus ihren Händen -
so springen vergangene Stunde zurück.

Sie sieht in des weisen Schicksals Kessel
den schändlichen Bann des gläsernen Sees.
Der verwunschen durch die Zeiten wandert,
sein Herr hält gefangen die Lilofee.

Der wandernde See in argloser Schönheit,
liegt gläserne im milden Abendrot.
Sein Glitzern trügt lang schon jedwedes Wesen
manch Wandrer fand hier einen magischen Tod.

Der Zauber des Nöck lockt Getier und Mensch
in seinen Bann, betreten sie nur den Ufersand.
Als entseelte Gefährten führt hinweg sie die schöne,
verlorene Fee mit eigener Hand.

Die Muhme gewillt, den Zauber zu lösen,
- zerbrechen soll der gläserne See -
schöpft aus der Quelle des kalten Feuers
beendet so der Gefangenen Weh.

Mit hellem Klingen und gewaltigem Beben
bricht auf immer des dunkelnen Zauberers Siegel -
statt gläserner Glätte weiches Wasser sich wiegt,
zerborsten auf immer der tückische Spiegel.

Der wandernde See, nun ein stilles Gewässer,
auf ewig vom Schmerz und Sehnen befreit.
Weißfarbener Sand umrahmt lieblich das Ufer.
In den Tiefen des Sees kein Wesen mehr weint.

Die Erlösten ziehn heim zu den trauernden Müttern.
Die Nacht senkt sich still über das Land.
Die Muhme verschließt die Quelle des Feuers.
Nimmt Rad und Spindel in die Hand.

.

27. April 2014

Gedicht, nett, im Internet


Das imaginäre Du

Du sitzt mir nicht gegenüber
Du bist gar nicht wirklich da
Du nur bist virtuell vorhanden
Alles andre, nur nicht nah
Du bist die neueste
der Vertrauten!
Wir sprachen schon
Am Telefon
Ich sah auch heut ein Bild von dir
Jedoch dein Lächeln ist nicht hier
Ich würd dich nicht grad ,Fremde' nennen
Behaupte nicht, dich schon zu kennen
Wir tauschen gern
das macht es wett
Gedanken aus
im Internet...

.

15. November 2013

... ach, der September ist schon vorbei?

Wenn ich heut aus dem Fenster seh …

September geht und nimmt
den Sommer mit.
Das erste Gold streun’
Bäume ihm auf diesen Weg.
Der Apfelbaum zeigt stolz
die kleinen roten Sonnen her.
Noch leuchtet bunte Blumenpracht
steht hinterm Gartenzaun Spalier.
Der Himmel über mir scheint leer,
nicht eine Schwalbe ist mehr hier!

Frau Trude zieht den grauen Vorhang zu!
Dahinter kann die Sonne sich verkleiden.
Sie legt das grelle Strahlen ab,
erscheint nun mild, nicht mehr so feurig.
Ihr Platz über dem Wald ist leicht verrutscht,
wenn sie jetzt abends untergeht.
Derweil schon hier und da ein
kräftiger, auch kalter Wind
das wohlig warme Sommerfeeling,
das heit're Sitzen auf Terrassen,
die Sommersprossenmöglichkeiten,
ganz einfach so verweht...

Mabon 2008

28. Januar 2012

Evolution


Ich bin eine Überlebende!
Das Ergebnis der gelebten Leben
vieler Mütter, vieler Töchter!
Sie arbeiteten hart und sie träumten und lachten.
Sie sahen Jahreszeiten kommen und gehen.
Sie überlebten Katastrophen.
Sie liefen durch Regen und Schnee,
überstanden Krankheit und Leiden.
Sie sahen sonnige Tage und finstere Nächte.
Sie haben gesät und geerntet
und sprangen über das Feuer.
Sie haben nach dem Liebsten geseufzt
und sich mit ihm im Stroh gewälzt.
Sie trugen ihr Kind aus und brachten es zur Welt.
Sie behüteten das Leben
und begleiteten das Sterben.
 Sie erduldeten Verletzungen
oder wehrten sich entschlossen.

Sie bucken das Brot und webten die Kleidung.
Sie wachten am Bett ihres Kindes
und fütterten die alte Mutter.
Sie tanzten und scherzten,
sie weinten und trauerten.
Sie bewahrten Erinnerungen und teilen ihr Wissen.
Sie starben jung 

oder wurden uralt!
Ich bin die Tochter einer Tochter,
welche Mutter wurde!

.

31. Dezember 2011

…ein letztes Wort

Lies mir vor!
Lies mit leiser sanfter Stimme,
so wie ich es lesen würde.
Der Worte Fluss soll
mich begleiten
und sanft hinüber leiten!
Ich nehme sie mit
- die vielen Gedanken -
einst habe ich selbst
sie zu Papier gebracht
an kurzem Tag
in langer Nacht.
Sie hüllen mich ein
und streicheln
- umspülen mich -
und schmeicheln.
Etwas Besseres gibt es nicht
für dich
für mich
Lies sie leise
meine Verse - meine Sprüche
In einer Welt der Frauen
hätt 
ich sie längst dir beigebracht
so dass du sie jetzt singen könntest
in dieser letzten Nacht!
Aber so -
lies vor!

 
September 2008

5. Dezember 2011

Hexenküche

...und damit es nicht gar zu besinnlich wird in diesem Advent: 


Kleiner Spruch für wilde Weiber
Im Kreis der Frauen
am Feuer sitzen
die Arbeiten tun,
die uns allen nützen!
Es fließt die Kunde
von Mund zu Munde,
das Lachen, die Lieder,
die Weisen, die Sprüche.
WeiberKraft kocht
in brodelndem Kessel
in unserer Küche!

.


13. April 2011

Gestrandet …


Ein Segel gesetzt 
in die neue Welt
Doch alle waren
schon vor mir da
Da sitz ich nun auf meinem Koffer
nicht abgeholt 
und nicht bestellt
Alles ist fremd und unbekannt
Wellen umspielen meine Füße
Werfen immer wieder Muscheln
ohne Perlen in den Sand….

 .

20. Februar 2011

Weite

... gemäß dem Motto Kurz (und Prosa) habe ich es etwas gekürzt, das Gedicht aus vergangen Zeiten... gewidmet einem Freund aus ebenso vergangene Tagen...
 Amrum, Februar 1993 



Die Endlichkeit das Auge zwingt
von Rand zu Rand
Der Gegenstand ist Hindernis
Selbst Glas gebietet Widerstand
.....
...

Du suchst den Weg ins göttlich Ferne
und ahnst das Galaxien enden

Du weißt um die Vergänglichkeit
kannst selten nur dein Schicksal wenden
 
Die Regeln musst du akzeptieren
Die Grenzen sind seit langem klar
Ein noch so sehnsuchtsvolles Wünschen
macht Traum und Utopie nicht wahr

Von Zeit zu Zeit ein kleiner Vorstoß
wenig genug für einen Geist
Den großen Durchbruch noch erhoffend
der Mensch in festen Bahnen reist
 
Das ganze Sein willst du erleben
Die Sehnsucht dir den Atem nimmt

wenn du an manchen Tagen spürst
wie unaufhaltsam Zeit verrinnt
 
Doch gibt es für uns eine Hoffnung
wie war ich froh als ich sie fand

Sie führt zusammen Dimensionen
verleiht der flücht'gen Zeit Bestand
 
Ein Wissen klein und doch allmächtig
sich hinter meiner Stirne sonnt:
In meinem Herzen stößt die Weite
niemals an einen Horizont
 

6. Januar 2011

Zauberspruch

 ... da beim Waschweib von mir wieder ein paar Zauberworte zum Projekt von Seelenbalsam  eingesetz wurden, gebe ich hier einen Spruch ( aus meinem noch nicht fertigen Kinderbuch) zum Besten. Falls es jemand ausprobiert, gebt mir doch mal Bescheid, ob es funktioniert! Allerdings wie das mit der Rückverwandlung geht, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen...

 

Rezept aus dem Buch der Kobolde

Schöpf mit der Schale der Zaubernuss
An ruhiger Stelle mitten im Fluss
Aus der tiefversteckten Quelle
Von des wilden Meeres Welle
Drei Tropfen aus dem stillen See
Kristalle, fünf, vom letzten Schnee!
Misch alles gut bei Dämmerlicht
Nimm einen Schluck und dabei sprich:
Trotz Mittagssonne hell und klar -
Dies Wasser macht mich unsichtbar!

 

13. November 2010

Das Lied der Stille



Das Lied der Stille
ist ein Lied ohne Ton
und klang Augenblicke
lang in meinem Raum,
getrennt vom Dröhnen
und lärmender Qual.
Es singt nicht
und schwingt nicht,
selbst wenn ich es will.
Es steht ruhig und mächtig
und still!

Und so wünscht ich mir
mehr und mehr
Nichts zu hören!

Doch wirkliche Stille
ist leicht zu verstören
Ich kann dieses lautlose
Lied nicht halten
Das zwischen Ewigkeiten geboren!
Zermahlen im Alltag
geht es verloren
Weil ihm ein jeder 
die Existenz verwehrt!
Dem Lied der Stille
das kaum einer hört



... für alle, die sich ab und zu nach Ruhe sehnen, 
Stille geniessen können und der Lautlosigkeit huldigen...

20. September 2010

... eine Antwort auf Hermann Hesse

September

Der Garten lächelt freundlich, weise,

die Sonne küsst die letzte Blume,
der Sommer sieht sich um und geht!
Beginnt die altbekannte Reise.
Er geht und das nicht immer leise.
Die Lerche singt jetzt Abschiedslieder,
im nächsten Jahr sehn wir uns wieder.

Die ersten Blätter lösen sich vom Ast

um einzugehen in den großen Kreis
des Wachsens, Werdens und Vergehns.
Sie fallen, abgelegte Last, in 

meinem Garten waren sie nur Gast.
Bald hängen bloß noch ihrer drei,
  wehmütig gibt der Baum auch diese frei.

Die Rose freun sich auf die letzten Tage.

Da steht sie nun in ihrer Pracht allein.
Die dicke Spinne spinnt noch einen Faden,
sie hört nicht auf der Mücken Klage -
Natur ist nicht Gewissensfrage.
Im kahlen Busch ein goldner Schein.
Der Herbst hält seinen Einzug ein!



Stephanie Ursula Gogolin 2005/ 2010

... quasi inspiriert von Hermann Hesse, dessen Gedichte wunderbar, aber noch viel elegischer sind als meine...


5. September 2010

Sommerhaar


Rosig duftende Blüten im Sommerhaar
silberne Bänder und grüne Schleifen
im Vorübergehen Wangen streifen
weiches wehendes Sommerhaar
fängt blitzende sonnige Funken
und weißes Mondlicht so klar
Sommerhaar, Sommerhaar
fliegt seidig beschwingt
säumt Fluß und Bäche
deckt Berge und Tal
die Tiefe der Meere
misst es sogar
Sommerhaar





Stephanie Ursula Gogolin, Lüneburg,  Juli 2010

26. August 2010

noch ein Gedicht...


Kein Wort an Kain

Du bist Deines Bruders Hüter!

Und auch im Neid
erschlägst Du ihn nicht.
Du beschützt ihn!
Du vergibst ihm!

Weil Du,
eben nicht sein Bruder,
sondern seine Schwester bist.




Stephanie Ursula Gogolin, Lüneburg Januar 2008 

17. August 2010

Weil wir grad bei den Hexen sind...

Pantun II

Fahre zur Hölle Hexe
In deinem Kessel kocht der Tod
Doch Hel erwartet ihre Töchter
Ihr wisst nicht was ihr tut

In deinem Kessel kocht der Tod
Der Sturm zerschlägt die Ernte
Ihr wisst nicht was ihr tut
und auf euch liegt des Blutes Fluch

Der Sturm zerschlägt die Ernte
Das Vieh zugrunde geht
und auf euch liegt des Blutes Fluch
Reißt aus die Hexenkräuter

Das Vieh zugrunde geht
Vernichtet sie und ihren Spruch
Reißt aus die Hexenkräuter
Mit Kreuz und Fackel ziehet aus

Vernichtet sie und ihren Spruch
Dass Pest und Hagel mag vergehen
Mit Kreuz und Fackel ziehet aus
So mag sie in den Flammen stehen

Dass Pest und Hagel mag vergehen
Fahre zur Hölle Hexe
So mag sie in den Flammen stehen   
Doch Hel erwartet ihre Töchter


Stephanie Ursula Gogolin, Juli 2005
 

... ein Pantun ist eine, aus Indonesien (oder ist es malaiischen Ursprungs) stammende lyrische Form (frau kann es bei Interesse googlen), die vor allem vorgetragen wird. In dem Verlauf wiederholen sich alle Zeilen einmal nach einem vorgegebenen Schema und der Beginn bildet auch den Abschluss. Es gibt verschiedene Längen und es muss sich auch nicht zwingend reimen ... ich habe das mal im Literaturatelier im Bonner Frauenmuseum ausprobiert und hatte eine entsprechende Vorlage ... lang ist es her! 


Mehr zum Thema Hexen beim Waschweib

5. August 2010

Freundinnen

… ein wenig sitzen
ein bisschen Ruhe
Gedanken springen
zum Morgen zurück

Das Telefon läutet

heraus tropfen Tränen
entschlossener Wut
denn meine Freundin
trennt sich
von ihrem Mann!

Sie trennt sich und wütet

Sie richtet und rechtet
Sie ist bereit den
gemeinsamen Alltag
zu den Akten zulegen
und die letzten Gespräche
in die Tonne zu treten!
Romantik will sie
im Antikmarkt verkaufen!
Gemeinsamkeiten bei
ebay versteigern,
Sie will das bisherige
Leben verweigern
und endlich alles
ab heute verändern!

Ich höre ihr zu

Ich weiß wie sie leidet

und nächste Woche
spricht sie
nicht mehr davon! 

22. Juli 2010

Global

für die gedichteliebende Irmi


... ich ging durch meinen Garten!
Er war so kahl und leer.
Die Rose, die dort einst blühte,
die gab es längst nicht mehr.
Verschwunden Veilchen, Astern
Narzissen und Löwenmaul,
auf dürren, stachligen Zweigen
lag Schnee nur, dick und faul.

Ich wollt dein Herz erfreuen,
mit Blümelein, so zart!
Den Laden an der Ecke
verzweifelt ich betrat.
Dort standen hunderte Blüten,
die ich sonst nur im Sommer sah.
Ich kauft schnell eine Rose,
sie kam aus Afrika...
Stephanie Gogolin, 22.07.10

5. Mai 2010

Initiation


Baba Jaga Knochenbein
braust heran
stürmt durch die Wälder
die da dicht und ewig grün.
Doch das Mädchen
kennt kein Schaudern.
Ihr Sinn ist frei
und stark und kühn!

Bis zum Häuschen Hühnerbein
kreischt die Alte wilde Lieder,
nichts was uns zu Tränen rührt.
Weither ist sie schon zu hören,
wehe dem, der Furcht verspürt!

Wassilissa heizt den Ofen
rührt im riesig dampfend Kessel
Seelensuppe nach Geheiß.
Die schon kocht seit uralt Zeiten,
Leben, welches kommt und geht!
Und das Mädchen fegt vom Boden,
Knochen, die da abgenagt.
So wie der Alten sie's versprochen!
Vom Brunnen her, sie Wasser trägt.

Wartet auf die grausig Hexe,
der sie diente Jahr und Tag.
Heute ist die Zeit vollendet!
Heute kehrt sie wieder heim!
Heim zur Mutter
und den Schwestern
nie mehr ist sie jetzt allein...

1. Mai 2010

Waldlied


Waldlied

Komm mit!
Hinaus in den Wald
der schweigend und alt
grün und tief!

Die Waldmutter rief
das Feenkind.
Fort ist es schon
einen langen Tag
Die Wiese, der Hag
erscheint allen so leer

Sie sehnt sich gar sehr
nach dem Töchterlein
Nach dem Lied, das es singt
Dem Lachen, das wie
ein Glöckchen klingt
Sie flicht einen Kranz
für sein goldenes Haar
Fühlt ohne ihr Kind sich so allein
Wo mag es wohl sein?

Die Waldmutter ruft
Ihr Mäuschen geschwind
fangt an zu suchen
in den Verstecken
unter Fichten und Buchen
und dornigen Hecken
An der kühlen Quelle
an des Wildbachs Schnelle.
Und im Raunen und Rauschen
klingst durch den Tann
Vom Suchen und Weinen
sind meine Augen schon blind
Komm nach Hause
mein Kind!

Es schläft dort hinterm Stein
im goldenen Schein
des Abendrot

Sanft flüstert der Wind:
Es träumt selig, das Kind!
Das silberne Netz
der Webeline deckt seine zarten,
weißen Glieder
blauwollene Blumen
betten sein Haupt
Leicht rosig bestaubt
mit dem Zauberpuder
der nimmermüden
emsigen Zwerge.
Die finden es im tiefsten Berge
Zuviel davon
das ist wohl wahr -
und du schläfst ein
für hundert Jahr!

Der Tag ist längst zu Ende
mein Kind
Es dunkelt bereits
kühl umtanzt dich der Wind
Bald gießt der Mond
sein weißes Licht
auf Wege und Stege.

Die Ilse, die in der Quelle dort wohnt
Schöpft mit bleicher Hand
den einen kostbaren
silbernen Tropfen, der allein nur
den Zauber zu brechen vermag
Dazu das geheime Sprüchlein
sie sagt!

Der Wald seufzt tief
Es ist vollbracht
Das Kind erlöst
Nun kann kommen die Nacht!

Die Waldmutter wartete schon so lang!

Die tiefen Schatten werfen
ihr dunkles Tuch
über Busch und Hang
Dem erwachenden Kinde ist so bang.

Da tritt der Mond
hinter den Wolken hervor
Die Bäume neigen
zur Seite die Wipfel
Und in des Mondes
kühlhellem Schein
tanzt das Feenkind
zur Mutter heim.



© Stephanie Ursula Gogolin, Dezember 2008
(inspiriert von einen Gang durchs Bodetal bei 
Thale im Harz im Sommer 2007)