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11. Februar 2013

Wegwarte


Eine Märchenbearbeitung von Stephanie Ursula Gogolin

Wegwarte

Es war einmal ein fröhliches und lebenslustiges Mädchen mit wunderbar hellblauen Augen, das verliebte sich beim Tanz in den Mai innig in den schönsten Burschen des Nachbardorfes. Doch dem stand der Sinn nach Abenteuer und fernen, geheimnisvollen Ländern und so hatte er sich dem Burgherren verdingt. Der wollte am nächsten Tag mit seinen Mannen zu einem Kreuzzug ins Morgenland aufbrechen. Der Jüngling küsste nach dem Tanz an jenem Abend zum ersten und letzten Mal die liebliche Maid und versprach ihr, zu ihr zurückzukehren. Sie solle nur hier auf ihn warten und als Pfand seiner Treue schenkte er ihr ein blaues Band.
 

Nun wartete das Mädchen geduldig ein volles Jahr und ein weiteres, aber der Geliebte kehrte nicht heim. Andere Burschen warben um sie, doch sie konnte den Ihren nicht vergessen und so erhörte sie keinen von ihnen. Die Jahre gingen dahin und die Verlassene wurde immer wunderlicher. Sie hielt sich von allem fern, ging bekümmert ihrer Wege und konnte nicht aufhören auf ihn zu warten. Denn wie das so ist, eine nicht erfüllte Liebe, ist eine unendliche Liebe.

Ihre Freundinnen um sie herum nahmen sich Männer und wurden Mütter, so auch ihre Schwestern. Doch der Alltag mit dem täglichen Tun und dem fröhliche Kinderlachen im Haus, wandelte nicht ihren Sinn. Nein, sie floh nach getaner Arbeit das gemächliche Leben unter dem Dach der Mutter. Tag für Tag saß sie des Abends am Wegesrand auf dem großen Feldstein und hielt Ausschau nach dem Liebsten. Sie verharrte im Abendschein - bis der Mond und die Sterne am Nachthimmel standen. Selbst im bitteren Winter wartete sie in Eis und Schnee eine Weile an dem Platz, an dem sie dereinst ihren Abschiedskuss und das Versprechen seiner Rückkehr erhalten hatte. Von Zeit zu Zeit drang Kunde über ferne Schlachten bis in ihr Dorf, doch nie eine Nachricht von ihm. Der Burgherr mit den Resten seines Gefolges war längst aus den fernen Ländern zurück gekehrt, doch auch von denen konnte ihr keiner sagen, was aus dem mutigen Burschen geworden war.

Als sie eines schönen Tages nach einem langen Arbeitstag, auf den Feldern wurde gerade das Korn geschnitten, wieder neben dem alten Feldstein hockte und traurig in die Ferne blickte, kam ein altes Weib mit einem Korb am Arm daher. Die Alte blieb bei ihr stehen. Sie hatte schon von der Jungfer gehört, die Tag für Tag an diesem Platz verweilte und nicht aufhören konnte zu warten. Das arme Mädchen mit dem gebrochenen Herzen dauerte sie. Und so setze sie sich zu ihr und sprach gütig auf sie ein und ihr gelang es mit ihren Worten die verschlossene Seele zu berühren. Seit jenen Tagen des Abschieds sprach die Maid erstmals über ihren tiefen Schmerz und dass sie den Gedanken an die leeren Jahre, die noch vor ihren lagen, nicht ertragen könne.

„Nun wenn du keinen anderen Mann willst, nicht Mutter werden magst und glaubst, das Leben in deinem Dorf nicht fürderhin leben zu können, dann komm mit mir.“, sagte die Alte, „Dein Liebster ging fort, so geh auch du fort. Dort hinter dem Berg ist ein großer Wald und an seinem Rande liegt meine Hütte. Du kannst sodann bei mir bleiben. Ich werde dich wie eine Tochter halten und du kannst von mir alles lernen, was ich weiß. Und die hier lassen wir zurück - mag sie deinen Platz einnehmen!“ Und damit nahm sie aus ihrem Korb eine unscheinbare Pflanze und grub deren Wurzel neben dem Stein in der Erde ein. „Schau, sie wird an deiner Stelle am Wege warten.“


Dann nahm sie das Mädchen bei der Hand und führte sie mit sich fort.


Und so geschah es, dass das Mädchen ihre Heimat verließ und fortan bei dem alten Weib im Walde lebte. Der grüne Wald und das beschauliche Dasein im Haus der Alten heilten ihr Gemüt und als bald vergaß sie ihren Kummer und das schmerzliche Sehnen. Die Jahre vergingen, sie ward älter und erlernte alles was eine Kräuterfrau nur wissen konnte und über die Jahre wurde sie eine weit hin bekannte und geschickte Heilerin. Die Gute Heile wurde sie von den Leuten genannt, denn niemand kannte ihren wahren Namen und als die Alte hochbetagt starb, nahm sie den Platz der Weisen Frau ein.

Das ganze Dorf hatte derweil nach ihr gesucht und als sie nicht wiederkehrte, wurde noch lange um sie getrauert. Niemand konnte sich erklären, wohin das Mädchen verschwunden war. Und weil ihre Schwester das Pfand, das die Maid einst von dem verschollenen Liebsten erhielt, zurückgelassen auf dem Stein fand und neben diesem jetzt die unscheinbare Pflanze mit den wunderbar blauen Blüten wuchs, entstand mit der Zeit die Mär, das Mädchen selbst hätte sich in ihrer großen Trauer in diese Blume verwandelt um nun für immer am Wege stehen. Und noch heute nennen die Menschen das Gewächs mit der sehnsuchtblaue Blüte Wegwarte.


Chicory - Nr 8 der Bachblüten-Devas

27. November 2012

Schrecken in der City

- Für eine bestimmte Freundin -

Da hatte ich frohgemut das Haus verlassen, um jetzt festzustellen, dass sich der Einkaufsbummel in der großen Stadt scheinbar schwieriger gestaltete, als ich es mir dachte. Erstens brauchte ich nicht wirklich etwas und wollte nur mal gucken. Zweitens lag die Liste mit den Geschenkideen zu Hause und drittens kannte ich mich hier nicht aus. Ich stellte mich daher erst einmal mitten in die Fußgängerzone zwischen alle die flanierenden oder vorbeistürzenden Einkaufswilligen, um mich einzustimmen und zu orientieren. Schließlich wollte ich auch wieder zurück finden - daher musste ich mir die Stelle gut merken, an der die Treppe in den Untergrund führt zu den fast lautlosen Zügen, die mit mir nach hoffentlich fröhlichen zwei Stunden wieder zurückgleiten würden.

Danach betrat ich erwartungsvoll den weihnachtlich geschmückten Konsumtempel zu meiner Linken - Schuhe, in alle Farben und alle mit wahnsinnig hohe Absätze, so dass mir bei der Vorstellung darauf laufen zu müssen, gleich schwindlig wurde, da ich unter extremer Höhenangst leide. Eilig verließ ich das Geschäft.

In einem anderen Laden funkelte kostbarer Schmuck in fein dekorierten Schaufenstern und in der Edelboutique daneben trugen lasziv drein blickende Plastikmodels sündhaft teure Mäntel. Zwischen den Geschäften für das gehobene Klientel reihten sich eine bekannte Filiale der einschlägigen Ketten nach der anderen. Eigentlich war es wie zu Hause in der kleinen Stadt - die gleichen Läden, hier nur eine Nummer größer und teurer. 

Fast schon gelangweilt betrat ich eines der Kaufhäuser. Üppige Dekorationen und ein auf die Jahreszeit abgestimmtes Sortiment bot sich heiter dar. Die lieblich klingende Weihnachtsmusik stimmte die Kundschaft mild und kauffreudig. Eine zierliche junge Frau trat mir in den Weg: „Kann ich Ihnen weiter helfen?“ Ihre Stimme zischte ein wenig und ihre grünen Reptilienaugen glitzerten verführerisch. Wie gebannt starrte ich zurück: „Kalender...“ sagte ich „...ich suche Kalender!“

Ihr maskenartiges Lächeln spiegelte sich in einer der riesigen Christbaumkugeln, die überall herunter hingen und flink wie eine Eidechse huschte sie vor mir her. Mechanisch folgte ich ihr. Und als wäre sie mein persönliche Betreuung führte sie mich von Abteilung zu Abteilung - die bunten Tüten in meiner Hand mehrten sich. Wie in Trance stolperte ich hinter ihr her und je nach Beleuchtung schimmerte ihr Haut grünlich oder bekam einen leichten Silberton. Ich konnte ihr nicht entrinnen. Immer wenn ich ihr gerade sagen wollte, dass ich nun genug hätte, unterbreitete sie mir einen neuen tollen Vorschlag oder zog einen Gegenstand aus dem Regal, den ich mir schon immer gewünscht hatte. Zwischendurch hypnotisierte sie mich mit diesen bunten Glitzerdingen für den Adventsstrauß, die sie vor meinen Augen hin und her baumeln ließ. Endlos schleppte sie mich durch die Gänge und Auslagen.

Der Kaufrausch wurde je unterbrochen, als an der Kasse im obersten Stockwerk eine andere Kundin mit drei Plüschtieren im Arm meine Begleiterin ansprach. Rasch nutzte ich die Gelegenheit, ließ das teure Spielzeug fallen, dass ich gerade im Begriff war zu bezahlen und mit einem: „Danke ich habe jetzt alles!“ quetsche ich mich schnell in einen der Fahrstühle zwischen einen Pulk von Menschen. Zumindest hoffte ich, dass es Menschen waren. Da jedoch alle mit noch mehr bunten Tüten beladen waren als ich und völlig entrückt vor sich hin starrten, löste sich meine Paralyse langsam auf. 

Dafür machte sich jetzt eine leichte Panik breit - hatte mich nicht erst neulich meine Freundin, die immer auf dem neusten Stand ist, vor der bereits erfolgten Invasion pandimensionaler Reptilien gewarnt...? 

Erschrocken und erschöpft stieg ich in die U-Bahn, presste die Masse meiner völlig überflüssigen Einkäufe an mich und versuchte auf meinem Eckplatz durchzuatmen. „Fahrscheinkontrolle! Darf ich Ihren Fahrtausweis sehen?“ Ein biegsamer junger Mann, dessen Hände mit seltsam schuppiger Haut bedeckt war, hielt mir eine Plastikkarte vor die Nase.

Verzweifelt blickte ich in die senkrechten Schlitze der kalt schimmernden Augen und durchsuchte meine Taschen nach dem Fahrschein. Dabei hallte es in meinem Kopf wider: Wir können ihnen nicht entkommen... sie sind bereits überall...!



Fingerübung von Stephanie Ursula Gogolin

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5. Dezember 2011

Wer weiß schon, wie es wirklich war...


„Nikolausi!“
„Jaaa... Mutter!“
„Jetzt geh doch schon...!“
„...mach ich ja gleich, ich möchte nur noch ein bisschen hier sitzen...“
„Du immer mit deinem Beten, fromm,fromm, fromm und die armen Leute wissen nicht wo sie das Brot her nehmen sollen ... die beiden Mädchen werden heute als Mägde verkauft und was das bedeutet wissen wir doch beide.“
„Ach Mutter, was soll schon sein, sie werden Mägde, da geht es ihnen bestimmt besser als vorher ... Aua, warum schlägst du mich?“
„Weil du wieder dummes Zeug redest, vielleicht sollte ich dich zum Markt schleppen und als Pferdeknecht verkaufen.“
„Mutter, ich bin der Bischof! Und dir geht es doch gut seit ich im Amt bin...“
„Ja, ja, hier sind die Beutelchen mit dem Geld, ich habe es seit Johanni gesammelt und zurück gelegt...“
„Du warst doch nicht etwa an meiner Kollekte?“
„Ach was und jetzt geh endlich, ich muss mich um die Schweine kümmern...“
„Warum gehst du denn nicht selbst?“
„Gib du mal das Geld im Namen der Gemeinde ab, das macht einem guten Eindruck und ist gut für die Gemeinschaft, außerdem du bist doch so gern mildtätig!“
„Ja, dann gib schon her, aber ich gebe es nicht an der Tür ab, ich werde es durchs Fenster werfen...“
„Niklausi!“
„Sag nicht immer Nikolausi. Ich bin Bischof von Myra und heiße Nikolaus!“

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4. April 2011

Aprillibri



Frühjahrsstürme

Wasserfluten

Farbennotwehr

Sonnenversteck

Wetterzauber

Notfallhexe

Wolkensauger
 


29. März 2011

Märzenworten



Weichselbaum

Frühlingspfützen

Blütenschnee 
 
topasschillernd

Bänderflattern

Kranichtanz

Goldaugen

birkengrün

Quellengischt

Wiesengrund


26. November 2010

Merkwürdige Geschichten

aus dem Zyklus: Meine kleine Wohnung!


Es weihnachtet sehr!

Ich mag die Adventszeit und natürlich auch Weihnachten!

Im Treppenhaus hängt bereits seit Tagen die Einladung für die Senioren zum Adventskonzert in Sankt Adebar. Frau Rüstig hat ihren Türkranz gewechselt und neulich zog ein Hauch von Plätzchenduft durchs Haus.

Und eines schönen Morgens war die Wiese vor meinem Balkon und die Dächer der gegenüberliegenden Häuser weiß und über Nacht die Heizung ausgefallen. Ob die beiden Ereignisse ursächlich zusammen hingen, war nicht zu ergründen. Zu allem Überfluss handelte es sich um einem Sonntagmorgen.

Im Haus war es mäuschenstill. Ein völlig ungewohntes Erlebnis. Sie werden doch nicht alle erfroren sein? Kaum vorstellbar bei Null Grad, der Puderzuckerschnee draußen begann bereits zu tauen.

Ich zitterte ins Bad, benutzte zum Zähneputzen entgegen aller Gewohnheit warmes Wasser, dann verpasste ich mir einen Zwiebellook (sieben Kleidungsstücke übereinander). Ich wärmte mich an meiner Kaffeetasse auf und beobachtete den Mann von gegenüber beim gewissenhaften Anbringen einer Lichterkette im Rhododendronbusch, aber richtig warm wurde mir davon auch nicht.

Dann ging ich auf Erkundungstour. Bestimmt hatten diverse Mitbewohnerinnen bereits Frau Schrap – Nehle informiert und so bleibt mir der Anruf bei unser gefürchteten Hauswirtin erspart, obwohl, wenn alle erfroren…, Unsinn! 


Die Nachbarin nebenan stellte grundsätzlich ihre Klingel ab. Sie möchte nicht durch Mitbewohnerinnen oder Nichtigkeiten belästigt werden. Auf Klopfen reagiert sie allergisch. Auf mein verschiedentlich zaghaftes Klingeln öffnete nur Frau Rüstig, die anderen hatten sich vielleicht in diverse Notunterkünfte begeben oder einfach nur die Decke über den Kopf gezogen.

Frau Rüstig versicherte mir, dass Hilfe unterwegs sein und die Innentemperatur im Laufe des Tages in den Wohnungen ansteigen würde. Der Notdienst arbeitete bereits daran. Sie hatte schon im Morgengrauen mit Frau Schrap – Nehle telefoniert und saß nun zuversichtlich in ihrer molligen Decke vor dem Fernsehgerät.

Was tun? Draußen waren die gefühlten Temperaturen höher als in meiner Wohnung und so beschloss ich einen Gang ins Wohngebiet zu unternehmen. In einem der Vorgärten zankten sich ein paar Meisen mit den selten gewordenen Spatzen um den Inhalt eines winzigen Futterhäuschens, während ein dicker Kater begehrlich auf die leichtsinnigen Piepmätze schielte. Ich schlenderte zwischen den Wohnblöcken und Einfamilienhäuschen umher und atmete tief durch. Dort über dem Zaun hingen immer noch ein paar Rosen und in den Fenster die erste liebliche Weihnachtsdekoration. Vor Haustür gegenüber war der ausgehöhlte Kürbis einem beleuchteten Schneemann gewichen und auf der anderen Seite hing am Balkon tatsächlich schon so ein mannsgroßer Nikolaus mit Sack und roter Zipfelmütze. Vielleicht war es aber auch ein geschickt verkleideter Einbrecher, der die Gelegenheit nutzte, dass die Heizungen ausgefallen sind und die Bewohner im Kälteschlaf lagen.

Doch dann fiel mir auf, trotz Sonntagvormittag waren erstaunlich viele Leute unterwegs. Scheinbar waren viele Wohnungen kalt. Es wurden immer mehr! Bis mir dann klar wurde, das sind keine Spaziergänger oder Wohnungsflüchter, die da der Innenstadt entgegen strebten, sondern potentielle Weihnachtsmarktbesucher. Ich geriet einen kurzen Moment in Versuchung mich ihnen anzuschließen. Aber nein, damit warte ich noch ein paar Tage, das muss ich ja nun nicht wirklich schon Ende November haben und dass wird doch heute nicht der einzige winterliche Morgen gewesen sein. Denn mal ehrlich, so ein Weihnachtsmarkt macht mit einem Hauch von richtigem Schnee einfach mehr Spaß…


Stephanie Gogolin, Lüneburg, November 2007

20. September 2010

... eine Antwort auf Hermann Hesse

September

Der Garten lächelt freundlich, weise,

die Sonne küsst die letzte Blume,
der Sommer sieht sich um und geht!
Beginnt die altbekannte Reise.
Er geht und das nicht immer leise.
Die Lerche singt jetzt Abschiedslieder,
im nächsten Jahr sehn wir uns wieder.

Die ersten Blätter lösen sich vom Ast

um einzugehen in den großen Kreis
des Wachsens, Werdens und Vergehns.
Sie fallen, abgelegte Last, in 

meinem Garten waren sie nur Gast.
Bald hängen bloß noch ihrer drei,
  wehmütig gibt der Baum auch diese frei.

Die Rose freun sich auf die letzten Tage.

Da steht sie nun in ihrer Pracht allein.
Die dicke Spinne spinnt noch einen Faden,
sie hört nicht auf der Mücken Klage -
Natur ist nicht Gewissensfrage.
Im kahlen Busch ein goldner Schein.
Der Herbst hält seinen Einzug ein!



Stephanie Ursula Gogolin 2005/ 2010

... quasi inspiriert von Hermann Hesse, dessen Gedichte wunderbar, aber noch viel elegischer sind als meine...


5. September 2010

Sommerhaar


Rosig duftende Blüten im Sommerhaar
silberne Bänder und grüne Schleifen
im Vorübergehen Wangen streifen
weiches wehendes Sommerhaar
fängt blitzende sonnige Funken
und weißes Mondlicht so klar
Sommerhaar, Sommerhaar
fliegt seidig beschwingt
säumt Fluß und Bäche
deckt Berge und Tal
die Tiefe der Meere
misst es sogar
Sommerhaar





Stephanie Ursula Gogolin, Lüneburg,  Juli 2010

1. Mai 2010

Waldlied


Waldlied

Komm mit!
Hinaus in den Wald
der schweigend und alt
grün und tief!

Die Waldmutter rief
das Feenkind.
Fort ist es schon
einen langen Tag
Die Wiese, der Hag
erscheint allen so leer

Sie sehnt sich gar sehr
nach dem Töchterlein
Nach dem Lied, das es singt
Dem Lachen, das wie
ein Glöckchen klingt
Sie flicht einen Kranz
für sein goldenes Haar
Fühlt ohne ihr Kind sich so allein
Wo mag es wohl sein?

Die Waldmutter ruft
Ihr Mäuschen geschwind
fangt an zu suchen
in den Verstecken
unter Fichten und Buchen
und dornigen Hecken
An der kühlen Quelle
an des Wildbachs Schnelle.
Und im Raunen und Rauschen
klingst durch den Tann
Vom Suchen und Weinen
sind meine Augen schon blind
Komm nach Hause
mein Kind!

Es schläft dort hinterm Stein
im goldenen Schein
des Abendrot

Sanft flüstert der Wind:
Es träumt selig, das Kind!
Das silberne Netz
der Webeline deckt seine zarten,
weißen Glieder
blauwollene Blumen
betten sein Haupt
Leicht rosig bestaubt
mit dem Zauberpuder
der nimmermüden
emsigen Zwerge.
Die finden es im tiefsten Berge
Zuviel davon
das ist wohl wahr -
und du schläfst ein
für hundert Jahr!

Der Tag ist längst zu Ende
mein Kind
Es dunkelt bereits
kühl umtanzt dich der Wind
Bald gießt der Mond
sein weißes Licht
auf Wege und Stege.

Die Ilse, die in der Quelle dort wohnt
Schöpft mit bleicher Hand
den einen kostbaren
silbernen Tropfen, der allein nur
den Zauber zu brechen vermag
Dazu das geheime Sprüchlein
sie sagt!

Der Wald seufzt tief
Es ist vollbracht
Das Kind erlöst
Nun kann kommen die Nacht!

Die Waldmutter wartete schon so lang!

Die tiefen Schatten werfen
ihr dunkles Tuch
über Busch und Hang
Dem erwachenden Kinde ist so bang.

Da tritt der Mond
hinter den Wolken hervor
Die Bäume neigen
zur Seite die Wipfel
Und in des Mondes
kühlhellem Schein
tanzt das Feenkind
zur Mutter heim.



© Stephanie Ursula Gogolin, Dezember 2008
(inspiriert von einen Gang durchs Bodetal bei 
Thale im Harz im Sommer 2007)