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18. Mai 2017

Geschichten aus dem Treppenhaus V

Schlittenfahren

Was für eine Aufregung! Zwei Tage vor Weihnachten hat es tatsächlich geschneit. Seit einer halben Stunde laufen die Kinder, Mama und Oma im Flur auf und ab und packen und suchen und Oma sagt immerzu: „Hoffentlich vergessen wir nichts!“ Sie wollen alle zum Rodeln fahren. Die dicksten Jacken und Mützen wurden hervorgeholt, Ersatzhandschuhe bereit gelegt, Extrasocken und für jeden einen bunten Schal, ach ja und die warme Stiefel natürlich.
Schäfchen und Ulli sitzen auf der Treppe und sehen zu. „Freust du dich auch so?“ flüstert Ulli.
Mama verschwindet im Keller und kommt mit dem großen Holzschlitten zurück. Jetzt ist Schäfchen genauso aufgeregt wie die Kinder. Schlittenfahren! Toll, gestern Abend hat die Oma noch bei der Gute - Nacht - Geschichte davon vorgelesen.
Schäfchen weiß nicht was Schnee ist, denn Schäfchen ist erst seit Ostern bei Johanna und da ist ja bekanntlich Frühling. Aber Schäfchen kann sich noch gut erinnern, dass Mama damals als sie es zum ersten Mal sah, sagte: „Ein Fell so weiß wie Schnee!“ Das würde heute ein tolles Erlebnis werden. Erwartungsvoll sitzt Schäfchen auf der Treppe und zum Glück hat es seinen eigenen kleinen bunten Schal dabei. Gleich geht es los. Ulli sitzt wie immer geduldig daneben.
Paula hängt an der Türklinke und fährt mit der großen Haustür hin und her, was sie nicht soll. Mama packt den Schlitten ins Auto und Oma füllt noch schnell ein paar Weihnachtsplätzchen in eine Tüte. Johanna hat zwei Paar Socken übereinander gezogen. Nun passen die Stiefel nicht mehr. Also muss sie sie wieder ausziehen. Eigentlich sollten die Ersatzsocken in die Tasche zu den Trinkflaschen und den Weihnachtsplätzchen. Mama wird ungeduldig und treibt Johanna an. Oma sammelt die herunter gefallenen Handschuhe auf und scheucht die Kinder zur Tür hinaus und schwupp sind alle draußen.
Schäfchen und Ulli bleiben verdattert im Dunkeln auf der Treppen sitzen. Was für ein Unglück, die Kinder haben sie vergessen! Kein Schnee, kein Schlitten fahren, keine Weihnachtsplätzchenkrümel im Auto. Schäfchen lässt die Ohren hängen und Ulli blickt traurig mit seinen Knopfaugen in den leeren stillen Flur.

Kindergeschichte aus der Reihe: Geschichten aus dem Treppenhaus
© Stephanie Ursula Gogolin, Bonn 2003
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Geschichten aus dem Treppenhaus VI



Weihnachten im Treppenhaus

Nun sitzen Ulli und Schäfchen allein im Dunkel.
Im Treppenhaus duftet es nach Weihnachtsbäckerei, Räucherkerzchen und Tannengrün. Mama hat nach dem Backen ganz oben das Dachfenster einen Spalt geöffnet. Es zieht ein bisschen auf der Treppe. Schäfchen sieht nach oben. Ob Stofftiere auch einen Schnupfen kriegen können, so wie Hanna neulich?
“Oh, was ist das?”, fragt Ulli.
Mit dem kühlen Hauch schwebt von oben ein weißes glitzerndes Etwas durch den langen Schacht des Treppenhauses.
“Weiß nicht”, meint Schäfchen, “ein Stern vielleicht?”
“Nein! Ich glaube, das ist eine Schneeflocke ... aber eine richtige große!” Ulli staunt.
Inzwischen war der strahlend weiße Stern fast unten angekommen. Und ein helles Stimmchen zwitschert: “Schneeflöckchen, Weißröckchen, jetzt kommst du gescheit...” - Ein winzig kleines, glitzerndes Wesen landet elegant auf der sechsten Treppenstufe und sein Strahlen beleuchtete die verblüfften Gesichter von Ulli und Schäfchen.
“Schönen Advent wünsche ich euch, heute schon gesungen?”
Das fröhliche Kristallkind klatscht in seine winzigen Hände: “Was ist denn hier für eine trübe Stimmung und es stuppst Ulli an, so das er fast von der Stufe fiel.
“Wo kommst du denn her?”, fragte Schäfchen, “hast du dich verflogen?”
“Vom Himmel hoch da komm ich her... “trällert es und sprang in die Girlande aus Tannengrün, die am Treppengeländer hängt, um in einer der roten Schleifen zu schaukeln.
“Bist du eine richtige Schneeflocke?”, wollte Ulli wissen.
“Nein, da würde ich ja schmelzen. Ich bin Zaubersternchen und möchte meine Freundin, die Hauselfe besuchen. Aber nun sagt doch mal, warum macht ihr so lange Gesichter?”
Die Beiden gucken immer noch traurig: ”Die Kinder haben uns vergessen”, sagten Schäfchen und Ulli im Chor: “...sie sind ohne uns zum Schlitten fahren und wir wären gern dabei gewesen.”
“Na seit doch froh, draußen ist es kalt und wenn man in den Schnee fällt, wird man auch noch nass.”
“Aber hier ist es langweilig”, sagt Ulli ein wenig trotzig.
“Ach keine Trauer an einem so schönen Vorweihnachtstag, kommt wir singen was: “Kling Glöckchen, klingelingeling....”
“Hallo, was ist denn hier los?” Spinni, die Hauselfe pflegt wie immer plötzlich zwischen den Stäben des Treppengeländer aufzutauchen. Ihr hellblaues Kittelchen warf heute grünliche Schatten und um den Hals lag kunstvoll verschlungen einen Lamettafaden. Auf dem Kopf trug sie einige von den kleine goldnen Glitzersternen, die Paula neulich beim Basteln unter den Tisch geworfen hatte. “Da bist du ja mein liebes Zaubersternchen, ist das Jahr schon um?” - “Ganz recht Spinni, in zwei Tagen beginnen die Weihnächte, wie schnell doch die Zeit vergeht!” Und sofort flötete sie ein “Oh du fröhliche...” hinterher.
Schäfchen und Ulli saßen mit großen Augen dabei und fanden die Unterhaltung recht kurzweilig.
“Schön, dann lasst uns ein bisschen feiern”, Spinni nahm ein paar von den Glitzersternchen aus ihren Haaren und schüttelte sie in ihrer Hand hin und her. Hauselfen können so alle möglichen Dinge vermehren, natürlich nur die, die in ihre Hand passten. Sie warf den Flitter in die Luft und ein wahrer Sternregen fiel auf alle herab. Schäfchen sah wunderschön aus in einem weißen Fell mit goldnen Sternchen und Ullis Latzhose war plötzlich überall mit glänzender Borte verziert. Zaubersternchen sprang von der Schleife, schwang einen klitzekleinen Zauberstab aus Kristall und hundert gleißende Lichtlein schwebten durchs Treppenhaus, es sah sehr festlich aus.
Spinni zog ein besonders schönes Lebkuchenherz aus der Kitteltasche. Das knabberte sie ganz alleine auf, denn bekanntlich essen Stofftiere nicht und Zaubersternchen ernährt sich nur vom sanften Mondlicht.
Die Hauselfe zog aus der dunklsten Ecke des Treppenabsatzes eine kleine Harfe hervor. Zaubersternchen verteilte winzige Notenblätter mit Weihnachtsliedern. Aber weder Schäfchen noch Ulli konnten lesen. Sie summten und brummten einfach mit. Das andere Spielzeug im Haus lauschte andächtig und alle wünschten sich, sie wären auch auf der Treppe. Wie schnell doch eine Stunde vergeht. Nach und nach erloschen die kleinen Lichter. Für Zaubersternchen wurde es Zeit sich zu verabschieden. Spinni machte so gut es ging den Glitzersternenzauber wieder rückgängig und wie immer gelang es ihr nicht so ganz. Ein paar Sternchen vergaß sie auf den untersten Stufen. Was für eine schöne Treppenhausweihnachtsfeier und erst der stimmungsvolle Gesang. Schäfchen und Ulli saßen zufrieden auf der kalten Treppe und ihnen war ganz warm ums Herz.
Es war draußen schon stockdunkel, als die Kinder in den Flur stürmten und ihr zurückgelassenen Lieblinge heftig umarmten. Oma schaltete das Licht an und fragte verwundert: “Wo kommen denn die Sternchen her?“

Kindergeschichte aus der Reihe: Geschichten aus dem Treppenhaus
© Stephanie Ursula Gogolin, Bonn 2003
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27. April 2014

Gedicht, nett, im Internet


Das imaginäre Du

Du sitzt mir nicht gegenüber
Du bist gar nicht wirklich da
Du nur bist virtuell vorhanden
Alles andre, nur nicht nah
Du bist die neueste
der Vertrauten!
Wir sprachen schon
Am Telefon
Ich sah auch heut ein Bild von dir
Jedoch dein Lächeln ist nicht hier
Ich würd dich nicht grad ,Fremde' nennen
Behaupte nicht, dich schon zu kennen
Wir tauschen gern
das macht es wett
Gedanken aus
im Internet...

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21. November 2011

Sprachgefühl hat kind oder nicht


Klein Isolde hat zwei Großmütter  - ist ja klar - 
eine Oma Erika und eine Oma Stephanie.

Und was macht die kluge und scheinbar auch effizient denkende Vierjährige?

Sie sagt: "Kommst du mal, Oma Stephika..."

und das ist nicht nur schlau, sondern auch eine besondere Form der Poesie...
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29. März 2011

Märzenworten



Weichselbaum

Frühlingspfützen

Blütenschnee 
 
topasschillernd

Bänderflattern

Kranichtanz

Goldaugen

birkengrün

Quellengischt

Wiesengrund


28. Februar 2011

Wünsch Dir was...


Ich kam gerade aus dem Bad und da stand sie vor mir, eine wunderschöne Frau in einem weißen Kleid und glitzerndem Haar und lächelte mich zuvorkommend an:
„Guten Abend, ich bin deine Wunschfrau!“

„Oh, eine gute Fee!“


„Ach, nein! Bitte, diese Bezeichnung höre ich nicht so gern. Spätestens seit Shrek II ist dieser Titel ohnehin endgültig in Verruf geraten. Und was ist schon gut! Du wünschst dir beispielsweise Geld, hast dann davon reichlich, wirst überfallen, niedergeschlagen und liegst mehrere Wochen im Krankenhaus. Was soll daran gut sein?“


Ich sah sie irritiert an: „Aber so kann man das doch auch nicht sehen. Wenn ich mir Reichtum wünsche, dann möchte ich doch nicht, dass mir dieser wieder weggenommen wird.“


Sie blickte nachsichtig auf mein leeres Sparschweinchen: „Ich meine ja auch nur, mit jedem erfüllten Wunsch kommen eine oder mehrere neue Verpflichtungen auf dich zu. Mit deinem erwünschten Geld möchtest du, um bei diesem Beispiel zu bleiben, endlich das tun, was du schon immer wolltest und dann hast du keine Zeit mehr dafür, weil du dein Geld verwalten musst.“


„He, was soll das denn, ich denke gute, Pardon, Feen, äh Wunschfrauen erfüllen drei Wünsche und fertig. Jeder muss dann sehen, wie er damit klar kommt.“


„SIE, meine Liebe, SIE muss damit klarkommen! Im Prinzip ist das richtig was du sagst. Bis vor kurzem wurde es auch genau so gehandhabt. Aber seit immer mehr Frauen sich an das Wünschen wagen und ständig Reklamationen einlaufen, haben wir beschlossen, ab sofort vorher Kundengespräche zu führen. Schließlich legen wir den erfüllten Wünschen keine Beipackzettel mit Risiken- und Nebenwirkungsbeschreibungen bei. Oh, Göttin, wo sollten wir da auch anfangen.“


Ich winkte ab: „Ja, ja, ich weiß! Spätestens, wenn frau „Bestellung beim Universum“ gelesen hat, weiß sie, dass sie exakt formulieren sollte, keine negativen Beschreibungen anwenden und den gewünschten Zustand möglichst genau visualisieren...“


Sie sah mich begeistert an. „Richtig, du hast es verstanden, also warum hast du mich gerufen?“


Meine Verwunderung wurde immer größer. „... aber, das habe ich doch gar nicht!“


„Hast du doch, weißt du nicht mehr?“ Sie wies pathetisch auf mein Waschbecken: „Eisenkrautseife, Hände waschen, fließendes Wasser..., na?“


„Aber ich habe doch eben nur gedacht: eigentlich müsste ich mir jetzt etwas wünschen...!“


„...eben und da du dich nicht entschließen konntest, bin ich sofort herbei geeilt und führe jetzt mit dir dieses Kundengespräch. Also, hast du einen Wunsch? Es dürfen auch drei sein!“


„Äh, nein, eigentlich nicht! Das ist mir jetzt aber peinlich, tut mir leid, da habe ich dich wohl umsonst gerufen. Heute habe ich so gar keinen Wunsch, ich hoffe du bist mir nicht böse. Also wirklich, deine kostbare Zeit, äh..., ich meine ganz umsonst, ein Kundengespräch...“


Aber die Wunschfrau lächelte mich verständnisvoll an und sagte geschäftsmäßig: „Oh, das macht gar nichts, das habe ich doch gern getan. Also dann, wir sehen uns wieder und ich wünsche dir für die nächsten Male schöne Wünsche!“


Und sirrr, weg war sie.





Anmerkung: Meine Freundin, die Kräuterfrau schenkte mir Eisenkrautseife. Wenn frau sich damit die Hände wäscht, darf sie sich etwas wünschen! Und unter uns gesagt, die Wünsche gehen blöderweise auch noch in Erfüllung!

Stephanie Ursula Gogolin, Bonn August 2004 

23. Februar 2011

Das Treffen

Viele von ihnen saßen erschöpft auf ihren Stühlen, manche sahen sogar ein wenig herunter gekommen aus und andere wiederum zufrieden oder feist und wohlgenährt. Eine stattlich Menge hatte sich um die schlicht gedeckte Tafel versammelt. Scheinbar mehr noch als im Vorjahr.

Gibt es heute wieder nur Buchstabensuppe, mäkelte ein besonders dünnes, nichtssagendes Wort.


„Was hättest du denn gern? Silbenhackbraten?“, schmetterte die Köchin der Suppe, das Alphabet, die Nörglerin ab. Neben ihr saß, fett und aufgebläht, die Liebe und rülpste: „Ich kann gar nichts mehr zu mir nehmen, überall, wo ich vorbeikomme, werde ich vollgestopft, das meiste davon ist unbekömmlich...!“, und sie bekam einen Schluckauf.


„Wehr dich doch“, meinte die Emanzipation etwas schnippisch, „Ich werde ja kaum noch gebucht!“ Sie hatte ihren bekannt forschen Ton am Leib, aber seit sie nicht mehr in aller Munde war, klang sie manchmal etwas biestig.


„Dann sei doch froh, dass du deine Ruhe hast! Ich erlebe zur Zeit eine derart unerfreuliche Beliebtheit, dass ich manchmal nicht weiß, wo mir die Köpfe stehen.“ Klagte das sonst so ausgeglichene Matriarchat. „Alle zerren an mir herum, sprechen mir die Existenz ab oder erwarten von mir, dass ich die Zukunft rette. Als ob es da was zu retten gäbe, schließlich gibt es eine Zukunft auch ohne Worte. Nicht wahr!“


„Aber Hallo, Baby! Das ist so gewiss, wie es eine Vergangenheit gibt.“ Die Zukunft blickte herausfordernd in die Runde. Gerade wollten sich schon die Epoche und die Zeit in den ewigen Auslegungsstreit mischen, als das Licht gedämpft wurde und ihnen aus dem rosigen Dämmern die Sanftheit zuflüsterte: „Seid bitte nicht so negativ, wir möchten beginnen!“


Und es wurde still. Die Magie umschritt, Hand in Hand mit dem Ritual, feierlich die riesige runde Tafel und es legte sich wohltuende Ruhe über die aufgebrachten Gemüter und die Bedrückten schöpften neue Hoffnung. Die Feierlichkeit und die Gelassenheit nickten anerkennend. Dann erhob sich die Effizienz, ein sehr imposantes Wort, das sich zur Zeit großer Beliebtheit erfreut und setzte zu ihrer Eröffnungsrede an: „ ...ich bitte um eure Aufmerksamkeit! Wir wollen doch endlich zur Sache kommen!“, dabei nickte sie schelmisch zur Sache und der Aufmerksamkeit hinüber.


„Meine lieben anwesenden Worte! Die Struktur und die Effektivität haben das diesjährige Programm, das neben euren Schüsseln liegt, besonders sorgfältig ausgearbeitet und wir sind ihnen dafür überaus dankbar. Auch sie hatten es in letzter Zeit nicht leicht und kommen so oft zum Einsatz, dass sie oft nicht wissen, wie sie heißen. Entschuldigung, kleiner Scherz.“


Nach dem verhaltenen Lachen setzte die Effizienz ihre Rede feierlich fort: „Jedenfalls freue ich mich sehr, dass auch heute wieder, an unserem 193792. Kongress unseres Vereins WORTE DER FRAUEN, wieder die zahlreiche und wie ich feststellen musste, wachsende Beteiligung zeigt, dass unser Anliegen ernster denn je genommen wird.

Den Hauptvortrag unseres Treffens hat heute unser allseits geschätztes Paradigma übernommen. Neben ihr, ihr Redepartner, der Wechsel. Seit neustem treten die beiden, wie wir wissen, vermehrt in Gemeinschaft auf. Wir sind gespannt, was sie uns zu sagen haben.“

Die redegewandte Effizienz machte eine kleine Pause und nippte effektvoll an ihrem Glas Gänsewein.


„Wie ich sehe, können wir auch in unserer Runde einige Neuzugänge begrüßen. Sie werden sich später noch selbst vorstellen.

Das Patriarchat und die Revolution, die einen Gastvortrag halten wollten, lassen sich für heute entschuldigen. Sie sind derzeit im Definitionsausschuss ihres Vereins MASKULINE WORTWAHL zu sehr beschäftigt. Doch bevor sich die liebe Ungeduld wieder zu Zwischenrufen hinreißen lässt, sage ich erst einmal Guten Appetit! Die Suppe ist heute besonders köstlich und reichhaltig und nach dem Essen beginnen wir mit den Vorträgen und Gesprächsrunden. Den Abschluss bildet dann wieder, wie in jedem Jahr, das Rufen und das Künden. Ausgeführt in beliebter Weise von der Weisheit, dem Hellsehen und dem Geheimnis. Ich wünsche allen einen sagenhaften Tag mit nachhaltigen Erkenntnissen. Erheben wir das Glas auf die WORTE DER FRAUEN und unsere weitere intensive Zusammenarbeit. Zum Wohl!“

„Habt ihr schon angefangen?“ Im Eingangsbereich stand ein blasser kaum wahrnehmbarer Schatten. Alle anwesenden Worte blickten angestrengt in die Richtung aus der das dünne Stimmchen kam und viele fragten erstaunt: „Bist du es, …?“



Das Treffen siehe auch beim Waschweib...! 

6. Januar 2011

Zauberspruch

 ... da beim Waschweib von mir wieder ein paar Zauberworte zum Projekt von Seelenbalsam  eingesetz wurden, gebe ich hier einen Spruch ( aus meinem noch nicht fertigen Kinderbuch) zum Besten. Falls es jemand ausprobiert, gebt mir doch mal Bescheid, ob es funktioniert! Allerdings wie das mit der Rückverwandlung geht, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen...

 

Rezept aus dem Buch der Kobolde

Schöpf mit der Schale der Zaubernuss
An ruhiger Stelle mitten im Fluss
Aus der tiefversteckten Quelle
Von des wilden Meeres Welle
Drei Tropfen aus dem stillen See
Kristalle, fünf, vom letzten Schnee!
Misch alles gut bei Dämmerlicht
Nimm einen Schluck und dabei sprich:
Trotz Mittagssonne hell und klar -
Dies Wasser macht mich unsichtbar!

 

26. November 2010

Merkwürdige Geschichten

aus dem Zyklus: Meine kleine Wohnung!


Es weihnachtet sehr!

Ich mag die Adventszeit und natürlich auch Weihnachten!

Im Treppenhaus hängt bereits seit Tagen die Einladung für die Senioren zum Adventskonzert in Sankt Adebar. Frau Rüstig hat ihren Türkranz gewechselt und neulich zog ein Hauch von Plätzchenduft durchs Haus.

Und eines schönen Morgens war die Wiese vor meinem Balkon und die Dächer der gegenüberliegenden Häuser weiß und über Nacht die Heizung ausgefallen. Ob die beiden Ereignisse ursächlich zusammen hingen, war nicht zu ergründen. Zu allem Überfluss handelte es sich um einem Sonntagmorgen.

Im Haus war es mäuschenstill. Ein völlig ungewohntes Erlebnis. Sie werden doch nicht alle erfroren sein? Kaum vorstellbar bei Null Grad, der Puderzuckerschnee draußen begann bereits zu tauen.

Ich zitterte ins Bad, benutzte zum Zähneputzen entgegen aller Gewohnheit warmes Wasser, dann verpasste ich mir einen Zwiebellook (sieben Kleidungsstücke übereinander). Ich wärmte mich an meiner Kaffeetasse auf und beobachtete den Mann von gegenüber beim gewissenhaften Anbringen einer Lichterkette im Rhododendronbusch, aber richtig warm wurde mir davon auch nicht.

Dann ging ich auf Erkundungstour. Bestimmt hatten diverse Mitbewohnerinnen bereits Frau Schrap – Nehle informiert und so bleibt mir der Anruf bei unser gefürchteten Hauswirtin erspart, obwohl, wenn alle erfroren…, Unsinn! 


Die Nachbarin nebenan stellte grundsätzlich ihre Klingel ab. Sie möchte nicht durch Mitbewohnerinnen oder Nichtigkeiten belästigt werden. Auf Klopfen reagiert sie allergisch. Auf mein verschiedentlich zaghaftes Klingeln öffnete nur Frau Rüstig, die anderen hatten sich vielleicht in diverse Notunterkünfte begeben oder einfach nur die Decke über den Kopf gezogen.

Frau Rüstig versicherte mir, dass Hilfe unterwegs sein und die Innentemperatur im Laufe des Tages in den Wohnungen ansteigen würde. Der Notdienst arbeitete bereits daran. Sie hatte schon im Morgengrauen mit Frau Schrap – Nehle telefoniert und saß nun zuversichtlich in ihrer molligen Decke vor dem Fernsehgerät.

Was tun? Draußen waren die gefühlten Temperaturen höher als in meiner Wohnung und so beschloss ich einen Gang ins Wohngebiet zu unternehmen. In einem der Vorgärten zankten sich ein paar Meisen mit den selten gewordenen Spatzen um den Inhalt eines winzigen Futterhäuschens, während ein dicker Kater begehrlich auf die leichtsinnigen Piepmätze schielte. Ich schlenderte zwischen den Wohnblöcken und Einfamilienhäuschen umher und atmete tief durch. Dort über dem Zaun hingen immer noch ein paar Rosen und in den Fenster die erste liebliche Weihnachtsdekoration. Vor Haustür gegenüber war der ausgehöhlte Kürbis einem beleuchteten Schneemann gewichen und auf der anderen Seite hing am Balkon tatsächlich schon so ein mannsgroßer Nikolaus mit Sack und roter Zipfelmütze. Vielleicht war es aber auch ein geschickt verkleideter Einbrecher, der die Gelegenheit nutzte, dass die Heizungen ausgefallen sind und die Bewohner im Kälteschlaf lagen.

Doch dann fiel mir auf, trotz Sonntagvormittag waren erstaunlich viele Leute unterwegs. Scheinbar waren viele Wohnungen kalt. Es wurden immer mehr! Bis mir dann klar wurde, das sind keine Spaziergänger oder Wohnungsflüchter, die da der Innenstadt entgegen strebten, sondern potentielle Weihnachtsmarktbesucher. Ich geriet einen kurzen Moment in Versuchung mich ihnen anzuschließen. Aber nein, damit warte ich noch ein paar Tage, das muss ich ja nun nicht wirklich schon Ende November haben und dass wird doch heute nicht der einzige winterliche Morgen gewesen sein. Denn mal ehrlich, so ein Weihnachtsmarkt macht mit einem Hauch von richtigem Schnee einfach mehr Spaß…


Stephanie Gogolin, Lüneburg, November 2007

1. August 2010

Satire die Vierte


Mein Briefkasten

Jeden Mittag ist es für mich ein besonderes Highlight erwartungsvoll die Treppe hinunter zu meinen Briefkasten zu gehen. Aber nicht nur die Aussicht auf frohe Kunde treibt mich an, es ist auch unbedingt notwendig den winzigen Postkasten regelmäßig zu leeren. Wirkliche Post bekomme ich ja höchst selten. Wer schreibt schon noch bei den günstigen Telefontarifen oder der fixen Möglichkeit eine Email zu versenden. Trotzdem ist das Behältnis, welches der Fernkommunikation dient, fast täglich brechend voll.


Die Briefkästen in unserem Haus stammen noch aus der Zeit, da sie in erster Linie nette kleine Briefumschläge, vielleicht auch eine dünne Tageszeitung beherbergen mussten. Umschläge in B4größe erfand man wohl erst später. Dementsprechend spärlich ist ihr Aufnahmevolumen. In unserem Haus gibt es trotz acht Mietparteien übrigens nicht eine Tageszeitungsabonnementin. Ich vermute mal, das hat auch etwas mit dem Format einer klassischen Tageszeitung zu tun, ich wüsste auch nicht wo in meiner Wohnung ich sie komplett aufschlagen könnte.

Trotzdem braucht der durchschnittliche Tageszeitungsnichtabonnent auf wichtige Informationen über Land und Leute, Gott und die Welt, Fug und Recht, nicht zu verzichten. Jede Gemeinde, jeder Landkreis, von größeren Städten ganz zu schweigen, besitzt mindestens ein Wochenblatt, das kostenlos und unaufgefordert ins Haus kommt.


Da gibt es beispielsweise den „Geschäftsanzeiger“ und den „Stadtboten“, die „Landpost“ und den Pfarrbrief, die „AnzeigenTafel“ und der „Ortskundige“, den „Ausblick“ und den „Einblick“!


Kiloweise Papier, schwarz-weiß und farbig und fünfundachtzig Prozent davon fliegt ungelesen in den Altpapiercontainer (laut Statistik des Bundesamtes für Baum- und Leserschutz). Aber erst einmal werden diese gewaltigen Papiermassen Woche für Woche und Tag für Tag auf die Briefkästen der nach Information und Unterhaltung lechzenden Bevölkerung verteilt.

Acht schmale Öffnungen untereinander, dekoriert mit der geballten Ladung an Neuigkeiten, zieren die Front neben unserer Haustür. Meist hängt die brachial hinein gestopfte Zeitungsrolle, welche aus ein wenig lokaler Information, dem Immobilienteil, gedruckten Werbebotschaften und zu dreiviertel aus eingelegten Prospekten besteht, hälftig außen aus dem schlanken Briefschlitz. Wenn der Wind ungünstig steht, ist das Papier bei Regenwetter auch schon mal nass und wird zu einem lustigen bunten Klumpen Pappmache.

Natürlich habe ich auch schon überlegt,
mir eines dieser neckischen Klebeschildchen zu besorgen: BITTE KEINE WERBUNG; vielleicht sogar das, mit der Abbildung eines drohenden fletschenden Säbelzahntigers. Aber das würde auch nicht die Beilagen in den Wochenblättern verhindern. Außerdem bekäme ich dann auch nicht mehr den Prospekt von „Kaufmich“. Nicht das mir die Angebote dort wirklich fehlen würden, ich gehe da eh nur hin, um ab und zu meine Dose „Cappuccino ungesüßt“ zu kaufen. Aber in dem Prospekt ist nicht nur jede Woche ein Rätsel auf der letzten Seite, nein, neuerdings auch eines von diesen Sudoku – Kästchen. Ich bin süchtig nach Sudoku.

Ab September sind die Werbebotschaften auch immer ganz besonders prächtig gestaltet um uns liebevoll aufs Weihnachtsfest einzustimmen. Es ist stets beeindruckend, die rot und golden, zuckersüßen Sinnlosigkeiten in all ihrer Vielfalt jedes Jahr aufs Neue angeboten zu bekommen, nur mit dem Unterschied, dass der Endverbrauchen mehr dafür bezahlt, als die Jahre zuvor. Die Botschaften besagen natürlich das Gegenteil. Und auch wenn der Kunde es gern glaubt, so ein kleiner bohrender Gedanke der Skepsis bleibt. All die Beteuerungen: „Nichts weiter als billig“, „Fast kein Preis“ und „Ungeheuer - niemals teuer“ oder suggestive Schmeicheleien wie „Sei klug im Nu und Greife zu“, kommen immer wieder recht massiv daher um die Kundschaft kollektiv zu becircen. Und auch mir fällt gelegentlich die Entscheidung schwer. Gehe ich lieber zur Einkaufsgruppe „Trallala“ oder zu „Hopsasa“ oder gar zum familienfreundlichen Supermarkt „happyfamily“, die Butter kostet überall das gleiche.

Von Zeit zu Zeit jedoch liegt auch ein echter Brief in dem flachen Fach. Also ich meine einen persönlichen, von einem anderen Menschen exklusiv für mich verfasst. Keine Rechnung oder so ein hochwichtiges Schreiben von Lotteriebetreibern oder eine Einladungen zur Eröffnung des neuen Friseurs um die Ecke oder gar zum Adventkonzert im Senioren – Treff. Nein, ein Umschlag mit handgeschriebener Adresse und richtiger Briefmarke und keinem seelenlosen Stempel in der Ecke.

Der besagte Brief kommt dann meist von meiner Freundin Inge, die ein bisschen JWD (janz weit draußen) wohnt. Sie hat aus Prinzip kein Telefon (man muss nicht ständig erreichbar sein) und aus religiösen Gründen keinen Computer (Teufelswerk). Ihre Korrespondenz mit der Außenwelt holt sie sich einmal die Woche bei der nächsten Postfiliale ab und selbstredend kommt auch kein noch so gut meinender Prospekteausträger bis zu ihr raus.

Heute war es wieder soweit, in meinem Briefkasten, eingeklemmt zwischen vielen bunten Seiten und dem freundlichen Angebot der Kreti - Pleti – Bank meine überflüssigen Millionen zu veruntreu…, äh zu verwalten, lag doch tatsächlich ein handadressierter Brief in meinem zierlichen Kommunikationsaufnahmebehälter.

Erfreut endlich wieder etwas von meiner lieben Freundin Inge zuhören, öffnete ich noch im Treppenhaus den Umschlag. Und was teilt sie mir mit? Ich möchte doch mal bitte im neuen Rinaldi – Prospekt nach sehen, ob es in der nächsten Woche die preiswerten Computer gibt – ach was! Sie wolle sich jetzt doch so einen Zauberkasten zulegen und dann kann sie auch endlich Emails verschicken und wir würden viel öfter von einander hören bzw. lesen.

Schade, dann werde ich wohl gar keinen persönlichen Brief mehr bekommen!


aus der Reihe: Meine kleine Wohnung
Stephanie Ursula Gogolin, Lüneburg, November 2007

22. Juli 2010

Global

für die gedichteliebende Irmi


... ich ging durch meinen Garten!
Er war so kahl und leer.
Die Rose, die dort einst blühte,
die gab es längst nicht mehr.
Verschwunden Veilchen, Astern
Narzissen und Löwenmaul,
auf dürren, stachligen Zweigen
lag Schnee nur, dick und faul.

Ich wollt dein Herz erfreuen,
mit Blümelein, so zart!
Den Laden an der Ecke
verzweifelt ich betrat.
Dort standen hunderte Blüten,
die ich sonst nur im Sommer sah.
Ich kauft schnell eine Rose,
sie kam aus Afrika...
Stephanie Gogolin, 22.07.10